Säen, dröhnen, feiern

Auf der Grundlage der UNESCO-Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes stellt sich in der Schweiz seit der Ratifizierung im Jahr 2008 die Frage: Was ist unser immaterielles Kulturerbe? Die Kantone Aargau und Solothurn haben in einem gemeinsamen Projekt rund 1000 Hinweise zu lebendigen Traditionen gesammelt. Einige von ihnen werden fraglos als Teil des Brauchtums und damit auch des immateriellen Kulturerbes angesehen. Dieses geht jedoch viel weiter. Dazu gehören ebenso selbstverständlich der Töfftreff von Trimbach und Traditionen von Migranten und ihren Nachkommen wie die San-Giuseppe-Feier in Laufenburg oder die Wallfahrten von Slowaken und Tamilen nach Mariastein. In diesem Buch werden 17 Traditionen vorgestellt, die beispielhaft für das weite Feld des immateriellen Kulturerbes stehen. Dazu gehören so bekannte Anlässe wie das Fasnachtsfeuer in Wittnau, der Eierläset in Effingen, aber auch die Badekultur im Aargau oder das Bally-Erbe in Schönenwerd. Dieses Buch zeichnet - illustriert durch neue Bilder der Fotografen Philipp Künzli und Oliver Lang - ein farbiges Bild des heutigen immateriellen Kulturerbes in den Kantonen Aargau und Solothurn.

Karin Janz, 1978, ist Kulturwissenschaftlerin und Ethnologin. Sie hat im Auftrag der Kantone Aargau und Solothurn die Erhebung zum immateriellen Kulturerbe betreut. Mit einem Essay von Walter Leimgruber, Professor für Kulturwissenschaft und europäische Ethnologie an der Universität Basel.


"zu Tisch" - Ein Projektwettbewerb im Bereich des immateriellen Kulturerbes

Aus Anlass des neu verabschiedeten Kulturgesetzes wollte das Aargauer Kuratorium 2010 Kunstschaffende aller Sparten für die Thematik des immateriellen Kulturerbes sensibilisieren und schrieb einen Projektwettbewerb aus. Gesucht wurden künstlerische Arbeiten, die sich mit der Art befassen, wie wir "zu Tisch" gehen, an ihm Lebenszeit verbringen und unser Zusammenleben gestalten.

Resultate der Jurierung

Aus 40 Eingaben wählte die Jury des Aargauer Kuratoriums drei Projekte aus und vergab den ganzen zur Verfügung stehenden Kredit von Fr. 50'000.-:

Stöck, Wiis, Stich
Christian Kuntner legt mit 'Stöck, Wiis, Stich' eine bestechend schlichte, bei näherer Betrachtung äusserst vielschichtige audio-installative Arbeit vor: Er zeichnet die Tonspur einer Jassrunde auf und stellt sie akustisch in den Raum – zu sehen sind nur die vier Stühle, nicht aber der Tisch, auf den die Karten zu liegen kommen. Frappant, wie greifbar der Tisch als Leerstelle im Raum steht.

Ohr isst mit
Der Schauspieler Werner Bodinek und der Schlagzeuger Marco Käppeli planen einen musiktheatralen Abend rund um die Geschehnisse an einer festlichen Abendtafel. Unter dem Titel 'Ohr isst mit' und in einem raffinierten Umklapp-Bühnenbild zeichnen sie in mehreren Gängen Essgeschichten und Tafelgeräusche nach und verknüpfen sie zu einer szenischen Duo-Feinschmeckerei.

île flottante
Eine breite Enquête zu den Tisch- und Essgebräuchen aus drei Generationen hat sich das Medienkunst-Trio 'île flottante' Andrea Gsell, Nica Giuliani und Stephan Brunner vorgenommen. Die Ergebnisse wollen sie in einer Storytelling-Installation erfahrbar machen: Auf einem interaktiven Tisch erschliessen sich anhand von Gebrauchsspuren (Kratzer, Flecken usw.) die Assoziationen und Erinnerungen der Befragten über Kopfhörer.